SSW 27+4 Schwangerschaft

Geburt
Am 15.2.22 bei SSW 27+4 war ich Abends am CTG als ich plötzlich erneut eine sehr starke Blutung hatte. Die Hebamme zögerte nicht und brachte mich direkt in den Gebärsaal. Ich rief meinen Mann an, der sich direkt auf den Weg machte. Im Gebärsaal angekommen stellten sie die Wehenhemmer auf die höchst Dosis und der Oberarzt meinte, dass wir nun eine halbe Stunde Zeit haben um zu schauen was passiert. Gleichzeitig bereiteten sie mich für die Sectio vor. Ich hatte grosse Angst. Ich spürte, dass diese Operation nicht gut verlaufen würde. Ich hatte eine Spinalanästhesie. Mir wurde bereits am Anfang der Sectio übel. Irgendwann hörte ich einen leisen, kurzen Schrei - um 19.38 Uhr wurde unser kleiner Ennio mit 1180 g und 38 cm geboren. Leider konnten wir uns erstmal nicht auf Ennio konzentrieren, der nebenan von den Ärzten bestens versorgt wurde. Meine Blutung konnte nicht gestoppt werden und mein Mann musste den OP verlassen. Ich hatte unglaubliche Angst und alles kam mir vor wie eine Ewigkeit. Irgendwann konnte die Blutung mit Hilfe eines Bakriballons gestoppt werden. Ich konnte es fast nicht glauben. Ich kam dann in den Aufwachraum wo ich endlich meinen Mann sehen konnte. Ennio ging es gut, er kam sofort ans CPAP und wurde künstlich ernährt. Im Aufwachraum bekam ich unglaubliche Schmerzen und die Blutung hatte wieder eingesetzt. Ich musste sofort in den OP und wurde Notoperiert. Der letzte Ausweg die Blutung zu stoppen war die Gebärmutterentfernung. Ich verlor mehr als vier Liter Blut und hatte viele transfusionen. Ich hatte grosses Glück, dass ich heute noch da bin. Ich war dann eine Nacht auf der Intensivstation und kam dann am nächsten Mittag in den Gebärsaal zurück wo ich weiter überwacht wurde. Meine Werte waren noch nicht gut.
Zeit auf der Neonatologie
Am Abend wurde ich endlich im Bett zu Ennio auf die Intensivstation gebracht. Ihn so winzig und zerbrechlich zu sehen war erschütternd und beeindruckend zugleich. Ich durfte ihn das erste mal ins Känguru nehmen, das war ein unbeschreibliches Gefühl. Nach ein paar Tagen wurden wir in einem Gespräch informiert, dass Ennio eine kleine Hirnblutung hatte. Das war ein grosser Schock für uns. Niemand konnte und kann uns sagen ob und welche Auswirkungen diese Blutung für Ennio haben wird. Diese Ungewissheit war für uns in den ersten Wochen sehr schwierig zu ertragen. Irgendwann ging’s dann etwas besser. Nach etwas mehr als einer Woche wurde Ennio auf die normale Neo verlegt. Ennio war nach wie vor am CPAP und wurde über die Magensonde ernährt. Nach einigen Tagen hatte er leichte Anzeichen eines Infekts. Er hatte Antibiotika bekommen. Die Blutwerte haben dann glücklicherweise nicht für einen Infekt gesprochen und so hatte er während der gesamten 14 Wochen Neo keinen einzigen Infekt. Sein Ductus war noch offen. Für eine medikamentöse Therapie war es zu spät und so mussten wir hoffen, dass er sich von alleine schliesst, was er auch tat. Irgendwann erhielt er auch eine Bluttransfusion. Die Atemsituation war jedoch immer Ennio‘s Hauptthema. Er hatte bereits nach kurzer Zeit viele Wassereinlagerungen und hat Diuretika bekommen. Nach einigen Wochen haben die Ärzte die Therapie gestoppt und leider hatte er dann nach ein paar Tagen wieder Einlagerungen und mehr Sättigungsabfälle. Also mussten wir die Diuretika wieder starten. Nach etwa 6 Wochen wurde versucht Ennio vom CPAP zu entwöhnen. Anfangs sah es stabil aus. Doch dann erhielten wir den Anruf, dass er zu viele Abfälle macht und er war dann am high-flow. Für uns war‘s wieder ein Rückschritt und das nach Hause kommen ist wieder in die Ferne gerückt. Das hin & her war zu diesem Zeitpunkt unerträglich und wir waren mit den Kräften am Ende. Trotzdem funktionierten wir weiter. Schoppenversuche haben geklappt, worüber wir uns sehr freuten. Irgendwann hatte Ennio 72h keine Bradys mehr und das EKG konnte entfernt werden - eine Hürde war geschafft. Ziemlich genau einen Monat nach dem gescheiterten CPAP Weaning haben wir einen erneuten Versuch gestartet das high-flow zu entwöhnen - und es hat geklappt. Das war für uns ein unglaublicher Schritt in Richtung nach Hause. Nun musste er noch die 72h ohne Sättigungsabfälle hinbekommen. Eine erneute Geduldsprobe. Viele Male sah es vielversprechend aus. Dann nach 48h der Alarm. Wieder ein Abfall. Alles nochmal von vorne. Immerhin durften wir inzwischen mit Ennio spazieren und erfahren wie es ist ohne Monitor und ohne Pflegeteam. Am Anfang war ich sehr unsicher und musste immer anhalten um zu fühlen ob er gut atmet. Und dann plötzlich an einem Wochenende an dem unsere lieblings Pflegefachfrau Dienst hatte sah es gut aus, keine Abfälle mehr. Wir konnten Ennio nach Hause holen - was für ein erleichterndes, unbeschreibliches Gefühl!
Ernährung Frühchen

Zeit nach der Neonatologie
Ennio hatte einen am Anfang ausgeprägten Reflux, der dann mit der Umstellung aufs Stillen mit der Zeit viel besser wurde. Er hat eine moderate BPD und es wird sich zeigen wie sich diese entwickelt. Die Situation mit der Hirnblutung blieb stabil und wir hoffen sehr, dass Ennio dadurch keine bleibenden Einschränkungen haben wird. Beim Herzen hat er ein kleines Loch, die Chancen dass es auch noch zu wachst stehen gut. Im November 2022 ist Ennio mit knapp 9 Monaten in die Kita eingetreten. Für uns war das eine schwierige Entscheidung aufgrund seiner BPD, die wir mehrmals mit den Ärzten besprochen haben. Nun hoffen wir sehr, dass Ennio seinen ersten Winter ruhig und ohne viele Infekte hinter sich bringen wird.
Tipps für Frühcheneltern

























